stammzellspender gesucht
Verdener Nachrichten vom 12.02.2011
Typisierungsaktion im Gymnasium am Wall
Von Julia VogelVerden. Lutricia ist an Leukämie erkrankt. Zur Zeit wird sie mit einer Chemotherapie behandelt, aber schon bald kann ihr womöglich nur noch eine Stammzellentransplantation helfen. Um einen geeigneten Spender für sie und andere Patienten zu finden, startet die DKMS am 18. März eine Typisierungsaktion.

Die Arbeitsgruppe der Typisierungsaktion, von links: Lehrer Michael Gari, Schulleiterin Petra Sehrt, Phil Glückselig und Franziska Schult von der Sanitäts-AG, Lehrerin Jutta Heinrich und Carola Schäfer, Vorsitzende des Schulvereins. © Julia Vogel
Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche. Auch Lutricia war erst in der Grundschule, als sie die Krankheit zum ersten Mal bekam. Sie galt als geheilt, doch seit November ist bekannt, dass die Leukämie erneut bei ihr ausgebrochen ist. "Seitdem war sie nicht mehr in der Schule", erzählt ihre stellvertretende Klassenlehrerin Jutta Heinrich. Stattdessen besuchen ihre Lehrer sie zu Hause und unterrichten sie dort in einigen Fächern. "Lutricia ist froh, dass sie so nicht den ganzen Schulstoff verpasst", sagt Schulleiterin Petra Sehrt. Das Lernen strenge die Sechstklässlerin aber doch sehr an. "Länger als eine dreiviertel Stunde hält sie nicht durch", so Sehrt.
"Ihre Mitschüler waren alle sehr betroffen, als sie von Lutricias Erkrankung erfahren haben", sagt Jutta Heinrich. Gemeinsam mit den Kindern sei sie an die Sanitäts-AG des GaW herangetreten und habe die Idee einer Typisierungsaktion in der Schule entwickelt. Franziska Schult und Phil Glückselig, Mitglieder des Sanitätsdienstes, setzten sich daraufhin mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Verbindung. "Es ist das erste Mal, dass so eine Aktion in Verden durchgeführt wird", sagt Phil Glückselig. Demnächst sollen in ganz Verden Flyer mit Lutricias Foto verteilt und Plakate aufgehängt werden, um die Typisierungsaktion weiter publik zu machen. "Einige Schüler wollen sich einen Tag lang in die Fußgängerzone stellen und die Leute informieren", erzählt Carola Schäfer, Vorsitzende des Schulvereins.
"Jeder Mensch in guter gesundheitlicher Verfassung zwischen 17 und 55 Jahren kann sich typisieren lassen", erklärt sie. Zwar dürfe man erst ab dem 18. Lebensjahr Stammzellen spenden, aber könne schon vorher in die Datei aufgenommen werden. "Etwa 300 GaW-Schüler kämen dafür infrage", schätzt Glückselig. So hat am Freitag, 18. März, jeder potenzielle Spender zwischen 12 und 18 Uhr Gelegenheit, sich in der Aula des GaW typisieren zu lassen. Dabei werden der Person nach der Einverständniserklärung fünf Milliliter Blut entnommen. "Das geht viel schneller als beim Blutspenden", sagt Franziska Schult. "Jeder einzelne, der in die Datei aufgenommen wird, ist ein Erfolg."
Nur sehr selten identisch
Nur sehr selten weisen zwei Menschen nahezu identische Gewebemerkmale auf - im günstigsten Fall liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:20000, einen "genetischen Zwilling" zu finden. Doch was passiert eigentlich, wenn man sich als geeigneter Spender herausstellt? "Mit einem Arzt wird dann besprochen, auf welche Art die Stammzellen entnommen werden sollen", erzählt Glückselig. Diese könnten zum einen direkt aus der Hüfte genommen werden, was heutzutage aber nur noch selten gemacht werde. "In 80 Prozent der Fälle wird die periphere Entnahme angewendet", so Schult. Dabei nehme der Spender fünf Tage lang Stammzellen anregende Hormone ein, am sechsten Tag werde ihm Blut entnommen. "Man fühlt sich danach wahrscheinlich einige Tage lang nicht fit, aber man hat damit ein Menschenleben gerettet", so Carola Schäfer.
Auch, wer keine Stammzellen spenden will, kann die Aktion unterstützen. Eine Typisierung kostet die DKMS 50 Euro, sie ist somit auf finanzielle Unterstützung von Freiwilligen angewiesen - auch Kleinstbeträge von fünf oder zehn Euro sind hilfreich.
Spendenkonto 179000507 bei der Deutschen Bank, Bankleitzahl: 64070085. Weitere Informationen unter http://www.dkms.de/.
archiv
