nach der typisierungsaktion
Verdener Nachrichten vom 19.03.11
Stammzellenspender für Lutricia gefunden
Von Julia VogelVerden. Lange wurde nach einem geeigneten Stammzellenspender für die an Leukämie erkrankte Schülerin Lutricia gesucht - nun besteht wieder Hoffnung auf Heilung. Seit Kurzem ist ein Spender bekannt, dessen Stammzellen der Sechstklässlerin transplantiert werden können.
Zwölftklässler Jonas Diering lässt sich in der Aula des Gymnasiums am Wall von Krankenpfleger Knut Heinisch fünf Milliliter Blut abnehmen. Seine Daten werden in die Spenderdatei aufgenommen, auf die Leukämiepatienten zurückgreifen können.© Julia Vogel
Im Namen der erkrankten Sechsklässlerin hatte die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) am Freitag in der Aula des Gymnasiums am Wall eine Typisierungsaktion veranstaltet, bei der zahlreiche Verdener ihre Stammzellen bestimmen ließen. Ihre Daten machen sie zu potenziellen Spendern für andere Patienten. Unzählige Leukämiekranke hatten bisher noch nicht das Glück wie Lutricia, einen "genetischen Zwilling" zu finden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen so ähnliche Gewebemerkmale aufweisen, damit eine Transplantation der Stammzellen infrage kommen kann, liegt bei 1:20000. "Es ist wirklich wichtig, dass viele Personen an der Typisierungsaktion teilnehmen", wusste auch der angehende Medizinstudent Jan David Gerken. Er selbst habe sich schon vor einiger Zeit vorgenommen, seine Stammzellen bestimmen zu lassen, sobald eine entsprechende Veranstaltung der DKMS in der Nähe sei. Anders war es bei Jonas Diering, Schüler des Gymnasiums am Wall (GaW): "Man hört so selten von dieser Krankheit und wie man den Patienten helfen kann." Erst durch Lutricias Schicksal sei er auf die Typisierung aufmerksam geworden. "Wenn es eine Chance gibt, einem Menschen das Leben zu retten, muss man sie unbedingt ergreifen", sagte Diering.
Doch damit, dass diese Chance so viele Personen in Verden nutzen würden, hatte wohl kaum jemand gerechnet. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Aktion hatte sich eine Warteschlange vor den Türen der Aula gebildet. "Meine Hoffnung war, dass heute vielleicht 200 potenzielle Spender in die Datei aufgenommen werden können", erzählte Franziska Schult, Mitglied des Organisationsteams. Diese Zahl sei, so schätzte sie, nach anderthalb Stunden schon überschritten gewesen. Mit ihren 15 Jahren ist sie selbst noch zu jung, um sich typisieren zu lassen. "Sobald ich alt genug dafür bin, werde ich es nachholen." Sie sei froh, durch ihre Arbeit im Organisationsteam ihren Teil zu einem erfolgreichen Projekt beizutragen.
Vielen Schülern in Franziskas Alter war es ähnlich ergangen, so auch der Zehntklässlerin Wiebke Meyer. Sie gehörte neben etwa 30 anderen Freiwilligen zu den Schriftführern. "Ich muss die Daten der Leute aufschreiben und ihnen den Vorgang der Typisierung noch einmal erklären", beschrieb sie ihre Aufgabe. Ein Lehrer hatte in ihrer Klasse nachgefragt, wer Lust hätte, sich als Helfer zu beteiligen. "Es macht Spaß und ist für einen guten Zweck", sagte Wiebke. Auch sie sei beeindruckt vom Ansturm in ihrer Schule.
"Dieser große Zulauf hängt auch damit zusammen, dass die Verdener im Vorfeld gut über die Typisierungsaktion in Kenntnis gesetzt wurden", vermutete Carola Schäfer, Vorsitzende des Schulvereins und ebenfalls Mitglied des Organisationsteams. So seien Franziska Schult und ihr Mitschüler Phil Glückselig zum Beispiel zum Domgymnasium gegangen, um dort Lehrer und Schüler darüber zu informieren. "Ich werde mich nachher auch noch typisieren lassen", sagte Schäfer. Das habe sie eigentlich schon am Anfang der Veranstaltung machen wollen. "Ich dachte, zu Beginn sei hier noch nicht so viel los, aber da hatte ich mich getäuscht."
Die lange Warteschlange habe einige zuerst abgeschreckt, erzählte Carola Schäfer. "Hinterher waren alle überrascht, wie schnell es doch ging." Zwölf medizinische Helfer waren anwesend, um den Leuten Blut abzunehmen. Darunter war auch die Krankenschwester Christiane Heinisch, die sich bereits vor fast 20 Jahren in die Datei hat aufnehmen lassen. "Es ist wichtig, dass es solche Aktionen gibt, damit die Menschen darauf aufmerksam werden", sagte sie. Im Krankenhaus habe sie nämlich noch nie erlebt, dass sich jemand nach einer Typisierung erkundigt habe.
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