hohes spendenaufkommen

800 Proben gehen ins Labor

Verdener Aller-Zeitung vom 19.03.11

Verden - (kp) · Jutta Heinrich fiel zu der Typisierungsaktion gestern im Gymnasium am Wall nur ein Wort ein. „Gigantisch", entfuhr es der Lehrerin beim Blick durch die Schulaula. Dort ging es zeitweise zu wie in einem Bienenkorb.



Fünf Milliliter Blut waren schnell entnommen. Trotz langer Schlange blieb die Wartezeit daher im Rahmen.Foto: Preuß

300 bis 500 Freiwillige, die ihre genetischen Merkmale in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen, hatte Mitorganisatorin Carola Schäfer erhofft. Gut zwei Stunden nach Beginn zählte DKMS-Aktionsleiterin Melanie Kilian bereits knapp 400 Blutproben. Am Ende waren es knapp 800 Röhrchen, die ihren Weg ins Labor antraten.
Oberstufenschüler spendeten gleich kursweise, Beschäftigte nutzen ihre Mittagspause für die Typisierung, und je näher der Nachmittag rückte, desto häufiger erschienen auch Mütter und Väter, um sich die nötigen fünf Milliliter Blut abnehmen zu lassen.
GaW-Schülerin Mareike hatte neben ihren Eltern auch gleich ihre Freundinnen Jessica Rugen (BBS) und Dilan Toku (Dog) in die Pflicht genommen. Für eine Knochenmark- beziehungsweise Stammzellenspende sind die drei mit ihren 17 Jahren zwar noch etwas zu jung, denn dazu müssten sie volljährig sein. Doch für die Registrierung genügen 17 Lenze.
Und die DKMS freut sich vor allem über junge Menschen in ihrer Kartei. „Sie kommen ja erheblich länger als Spender in Frage", erinnerte Melanie Kilian an die obere Altersgrenze von 55 Jahren.
Die große Resonanz auf die gestrige Aktion war sicher ein Ergebnis der intensiven Aufklärungsarbeit, die die Typisierungs-AG der Schule im Vorfeld geleistet hatte. Vor allem Franziska Schult und Phil Glückselig, beide auch Mitglieder der Sanitäts-AG, erwiesen sich als überaus rührig. Sie informierten nicht nur die Oberstufe des GaW über Typisierung und Stammzellenspende. Sie gingen auch zum Domgymnasium, um dort für die Aktion zu werben.
Das Ergebnis der gesamten Bemühungen spiegelte sich nicht nur in der hohen Zahl der Typisierungswilligen wider, sondern auch in einer großen Spendenbereitschaft. 11 000 Euro waren allein aus Verden und umzu auf dem DKMS-Konto 179000507 bei der Deutschen Bank, BLZ 64070085, eingegangen. Und gestern öffneten viele weitere Menschen ihr Portemonnaie oder zückten die EC-Karte.
Anlass für das Engagement so vieler war die Diagnose Leukämie bei der zwölfjährigen Lutricia, einer Sechstklässlerin des GaW, gewesen (wir berichteten). Nach dem ersten Schock wuchs bei vielen der Wunsch zu helfen. So verkauften Sechstklässler in den Pausen Kuchen und gestern Selbstgebasteltes und Tombola-Lose, statteten Eltern und Schulvereine das Buffet für die Spender mit Leckereien aus, notierten Zehntklässler gestern die Daten der Spendewilligen und nahmen Verdener Krankenschwestern, Pfleger, Arzthelferinnen und Mediziner Röhrchen um Röhrchen Blut ab.
Auch Dr. Andreas Ackermann verließ seine Praxis, um in der Aula ehrenamtlich zu arbeiten. Er selber sei schon seit etwa 15 Jahren typisiert, berichtete der Internist. Andrea Mecke-Brammerloh wollte dies nach Beendigung ihrer Schicht nachholen. Wie die Arzthelferin nutzten auch viele andere die Gelegenheit, vor Ort endlich den lang gehegten Vorsatz der Typisierung einzulösen.
Übrigens: Wer den gestrigen Termin verpasst hat, kann unter http://www.dkms.de ein Wattestäbchen-Set anfordern und die Typisierung per Wangenabstrich nachholen.