Religionsunterricht 2.0!?
Was sich ab 2026/27 ändert
Ab dem Schuljahr 2026/27 wird in Niedersachsen ein neues Unterrichtsfach eingeführt: Christliche Religion (RC). Das neue Fach startet zunächst in Jahrgang 5 und wird anschließend hochwachsend eingeführt.
Die Neuerung ist eine Weiterentwicklung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts, der in Niedersachsen bereits seit 1998 praktiziert wird. Verantwortet wird das Fach gemeinsam von den evangelischen (Landes-)Kirchen und den katholischen (Erz-)Bistümern. Die Lehrkräfte bleiben weiterhin evangelisch oder katholisch, unterrichten jedoch auf Grundlage gemeinsamer Kerncurricula (KC), die zum 1. August 2026 in Kraft treten.
Nicht ohne Diskussion
Der Weg zum neuen Fach verlief nicht ohne Kritik. Die ursprünglich geplante Einführung wurde um ein Jahr verschoben. Nachdem im Anschluss an die erste Anhörfassung (Juli 2025) zahlreiche Stellungnahmen eingegangen waren, wurde eine zweite Anhörfassung (Februar 2026) veröffentlicht. Auch diese sorgte – wie Schlagzeilen der NOZ („[…] Jesus soll weitgehend wegfallen“) oder der BILD („Weniger Jesus, dafür mehr Scharia und Klima“) zeigen – für erhebliches Aufsehen.
Entwarnung: Nein, biblische Quellen, die zentrale Figur Jesus Christus sowie christliche Traditionen werden weiterhin die Grundlage des Unterrichts bilden. Gleichzeitig werden die Inhalte stärker an den Lebensfragen junger Menschen ausgerichtet werden. Fragen der Schüler*innen, wie: Wer bin ich? Was gibt mir Orientierung? Wie gehe ich mit Krisen, Konflikten oder Zukunftsängsten um? Themen wie Verantwortung, Menschenwürde, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Zusammenleben werden mit christlichen Perspektiven verbunden. Zugleich soll der Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen gefördert werden.
Seit Mai liegt die Landtagsfassung vor - Kultusministerin Julia Willie Hamburg bezeichnete die Reform als ein „wegweisendes Zeichen für Dialog, Kooperation und moderne religiöse Bildung“. Auch die Kirchen betrachten dies als wichtigen Beitrag, junge Menschen in einer zunehmend pluralisierten Gesellschaft im Verstehen und Verständnis zu begleiten.
Was bedeutet das für uns am GaW?
Zwar werden die neuen Schulbücher voraussichtlich erst im Laufe des Schuljahres von den Verlagen herausgegeben, neue Materialien müssen entwickelt, Fortbildungen besucht und Unterrichtskonzepte erprobt werden, dennoch sehen wir als Fachschaft darin auch eine Chance: In einer Zeit, die von Unsicherheiten, digitalen Einflüssen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, möchten wir Räume für Orientierung, tolerante Begegnungen und echten Dialog schaffen. Für uns erfüllt das Fach Christliche Religion den Bildungsauftrag in einer zunehmend nicht mehr religiös sozialisierten Gesellschaft, wenn “Inklusion, Teilhabe an demokratischen Prozessen und die Fähigkeit zum kritischen Umgang mit Fundamentalismen, Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus und Populismen in der pluralen Gesellschaft” (KC Christliche Religion) gefördert werden. Denn religiöse Bildung bedeutet Wissensvermittlung und die Fähigkeit, unterschiedliche Überzeugungen zu verstehen, um respektvoll miteinander ins Gespräch kommen zu können. Dies wollen wir zeigen und laden neben evangelischen, katholischen, orthodoxen SchülerInnen auch Kinder und Jugendliche anderer Konfessionen sowie Konfessionslose herzlich ein (sich anzumelden)!
Swaantje Marie Cramer













